Vanessa Pua – Geniessertreffen

Artikel
Donnerstag 05 Juli 2018
Cécile Richards

Vanessa Pua ist Projektleiterin. Doch nicht irgendeine, sondern die der Zürcher «Gourmesse» im Auftrag der Gastronomie-Zeitschrift «Salz und Pfeffer». Damit ist sie am Puls der Wein- und Genussszene. Jährlich sucht sie in der ganzen Schweiz nach neuen Produkten und Produzenten, die sich einem breiten Publikum während vier Tagen vorstellen.

Bild: Cécile Richards und Vanessa Pua (rechts)

Das Restaurant Lotti liegt leicht versteckt neben der Zürcher Bahnhofstrasse. Seit gut einem Jahr wird hier Schweizer Küche auf innovative und dennoch bodenständige Art serviert. Was auf die Teller kommt, stammt von kleinen Schweizer Produzenten, Weine inklusive. Eine Gaststätte ganz nach dem Geschmack der 37-jährigen Vanessa Pua. 

Doch schon trifft sie leichten Schrittes auf dem Werdmühleplatz ein, steuert auf einen Aussentisch des Lottis zu, setzt sich und strahlt den netten Mann aus dem Service an: «Ein Weisswein, was hesch fürigä? Zürisee, ja isch guet.» Dann blickt sie auf. «Wanderwyli aus Féchy! Das war meine erste Erfahrung mit Schweizer Wein. Meine Mutter führte früher eine Dorfbeiz.» Etwas leidend verzieht sie ihr Gesicht, zieht die Schultern hoch, lässt sie wieder fallen, als ob sie sich entschuldigen wollte. Der Service schaut etwas bekümmert, Vanessa winkt ihm kurz zu und lacht. Alles gut. «Eigentlich fing ich kurz vor der Matur mit dem Weinprobieren an. Das war in einer Pizzeria. Und Primitivo passt bis heute prima zur Pizza.»

Erste Entdeckungen

Erst während der Ausbildung an der Hotelfachschule in Luzern sei sie wieder mit dem Schweizer Wein in Kontakt gekommen; während eines Vortrags konnte sie verschiedene Walliser Weine probieren. Doch nicht nur die Weine, auch der breite Dialekt des anwesenden Walliser Winzer Diego Mathier begeisterten sie. «Er erzählte mit so viel Humor und Freude – bis heute bleibt mir dieser Tag unvergesslich.»

Angetan von derart viel Euphorie gab sie dann auch den Weinen vom Genfer See eine zweite Chance: «Heute haben mein Mann und ich einige Waadtländer Chasselas im Keller». Es sind charaktervolle Vertreter, die gerne auch noch einen Moment ruhen wollen. 

Beruflich wie privat ist sie oft in der Schweizer Gastronomie unterwegs. Seit sie eine kleine Tochter habe, zwar etwas weniger, doch dafür koche sie wieder zu Hause. Manchmal reiche die Zeit sogar für eine Einkaufstour durch Zürich. «In jedem Quartier bieten Ladenbesitzer so viele wundervolle Produkte von Schweizer Kleinproduzenten – da gibt es unendlich viel zu entdecken.» Vor wenigen Jahren zog sie mit ihrem Ehemann in ein altes Wohnhaus am Zürichsee. Sie schmunzelt: «Von unserem Esszimmer aus sehen wir in die Reben.» Bald nach dem Einzug habe sie sich beim Vermieter erkundigt, wem denn diese Reben gehören. «Mittels einer Weinflasche bekamen wir kurzerhand die Antwort: Schwarzenbach Weinbau stand auf dem Etikett.» Beide seien sie von der Qualität überrascht gewesen. Ein Besuch auf dem renommierten Weingut in Meilen liess nicht lange auf sich warten. Ab da wurde auch der Räuschling – die Paraderebsorte am Zürichsee – ein Wein in Familie Puas Weinsammlung.

Aufgeweckte Geniesserin 

Regelrecht ins Schwärmen gerät die aufgeweckte Geniesserin allerdings bei den autochthonen Rebsorten aus dem Wallis. Bei Heida und Petite Arvine breche sie sogar mit einer fixen Regel, weil sich diese weissen Spezialitäten richtig spannend mit Fondue und Raclette kombiniert lassen. Ansonsten trinke sie nämlich, sobald das Thermometer unter 15 Grad anzeigt, nur noch Rotwein. Im hauseigenen Weinkeller ist für den Wintereinbruch vorgesorgt. «Den Pinot Noir aus dem Bündnerland lernten wir während eines Besuchs in Maienfeld kennen. Ein guter Freund nahm uns mit in die Weinberge und zu den Winzern.» Eine ihrer ersten Entdeckungen machte sie beim heutigen Vorreiter des biodynamischen Weinbaus in der Schweiz, bei Marco Casanova. Damals verantwortete Casanova noch die geradezu visionären Pinot Noirs bei Cicero Weinbau in Zizers. Eine Geschichte mit unglaublich viel Herzblut.

Das Interesse für den Schweizer Wein ist für Vanessa Pua unendlich. So vieles will schliesslich noch entdeckt werden – an Verkostungen, am Tag der Offenen Weinkeller, während Besuchen auf Schweizer Weingütern. Mittlerweile habe sich auch freundschaftliche Beziehungen ergeben. «Es ist für mich ganz besonders, wenn wir ein gemeinsames Essen bei einem Winzer geniessen können.» Viele Geschichten über die Herausforderungen auf den Weingütern werden erst dann erzählt. «Wenn ich einen persönlichen Bezug habe, kann ich die Veränderungen auf einem Weingut mitbegleiten und erkenne in den Weinen auch die Jahrgangsunterschiede.» 

Einen Wunsch verrät die Genussorganisatorin noch, bevor sie zurück auf den Markt am Bürkliplatz muss. «Es wäre schon grossartig, wenn wir an der «Gourmesse» einen Gemeinschaftsstand von Schweizer Winzern hätten. Denn die Kombination von Schweizer Delikatessen mit Schweizer Spitzenweinen ist einfach mega!»

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angegliederte Betriebe

  • Lotti

    Restaurant
    Werdmühleplatz 3
    8001 Zürich
    Carte d'exception 
    Nein