Pierfranco Sofia – Geniessertreffen

Artikel
Donnerstag 15 November 2018
Monica Thaler

An einem Abend bei einer  aussergewöhnlich angenehmen Temperatur trifftt Pierfranco Sofia mit eiligem Schritt ein, denn er ist leicht verspätet. Pierfranco ist der technische Direktor des LAC (Art et Culture Lugano) und ich habe mit ihm ein Treffen im Casa del vino Ticino vereinbart.

Sicher, es handelt sich um einen bescheidenen Ort, was seine Grösse betrifft, aber er ist grandios, wenn es um das sehr breite Angebot von Weinen und Speisen des Terroirs geht. Dieses einzigartige Konzept für ein Restaurant ist der erste Ort der permanenten Promotion der Tessiner Gastronomie und Weine, der von den Winzern des Kantons so gewünscht wurde und unterstützt wird.

Kultureller Zwiespalt

Wir beginnen damit an einem Glas « Confessore » von Chiericati Vini – Bellinzone zu nippen, einem weissen Merlot, der kürzlich mit dem Grand Prix du Vin Suisse in der Kategorie der Blancs de Noir gekürt wurde. «Ich bin in Lugano geboren, bin aber von eigentlicher Herkunft Insulaner», erklärt Pierfranco. Und die einfache Tatsache im Tessin aufzuwachsen ohne seine sizilianischen Wurzeln zu verneinen, hat es ihm ermöglicht das zu entwickeln, was sich als eine seiner Stärken erweist und was er selbst scherzhaft als kulturellen Zwiespalt definiert.

Als wir uns an den Tisch setzen, begeistern wir uns angesichts des gastronomischen Menüs, das den ganzen Monat Oktober die sorgfältig zubereiteten Speisen des jungen und vielversprechenden Chefs Remi Agustoni präsentiert. Und als Begleitung dieser Speisen gibt es den «MCCX» des Kellers Davide Cadenazzi, einen Tessiner Rotwein, der Pierfranco auf angenehme Weise überrascht. 

Eine Karriere im Theater

Nachdem er das technische Gymnasium in Trevano beendet und sich in Brera spezialisiert hatte, begann Pierfranco seine Karriere als Theaterregisseur und Produzent auf den Bühnen der berühmtesten italienischen Theatertruppen.

So ist er durch ganz Europa gereist, durch Südamerika, Russland und Australien. «In Perth vereinen sich auf völlig natürliche Weise der Sinn für seine Pflichten und die Fähigkeit sich zu amüsieren». Seine Neugierde in Kombination mit seiner offenen Haltung, typisch für diejenigen, die im Gleichgewicht zwischen zwei Kulturen aufgewachsen sind, erlauben es ihm die Situationen, Orte und Personen im Fluge zu erfassen. Wie dieser improvisierte «technische Direktor» eines dennoch berühmten Theaters, an den sich Pierfranco eher wegen seines Kleidungstils als wegen seiner technischen Kenntnisse erinnert. In diesem aus Erinnerungen bestehenden Gepäckstück bevorzugt Pierfranco die ungewöhnlichen Bilder: 

«Ich habe immer noch eine Pipeline in Russland vor Augen: sie verläuft drei Meter über dem Boden, aber hier und da weist sie eine willkürliche Biegung auf, um die Tankfahrzeuge durchzulassen».

Von seinen Reisen hat Pierfranco auch Geschmäcker und Aromen mitgebracht, ob es sich dabei um Orte, Sitten oder Gesichter handelt. «Wissen Sie, warum man in Russland soviel Wodka trinkt?» Und erklärt mit einem Lächeln: «Weil er hervorragend zu Hering, Lachs, den Gemüsen und vor allem Koriander passt; es gibt dort Unmengen von Koriander!». Das ist augenscheinlich. «Heute will jedermann ein Rezept schaffen, um zu überraschen. Ich aber mag Einfachheit. Das echte Können besteht darin einfache Gerichte mit einem Hauch von Kreativität zuzubereiten.»

2016 übernimmt Pierfranco den Posten des technischen Direktors beim LAC in Lugano. «Seitdem sind Theaterproduktionen, Prosa, Tanz oder Konzerte mein tägliches Brot.» Vor kurzem hat er die Herausforderung angenommen die Oper «Il Barbiere di Siviglia» von Gioacchino Rossini zu inszenieren. Eine allererste Tessiner Inszenierung von Fasolis und Rifici in einer Koproduktion mit dem Radiotelevisione svizzera (RSI), dem LAC, Luganoinscena und LuganoMusica. Es war ein enormer Erfolg, der vom begeisterten Publikum beklatscht wurde und schliesslich zu einer Wiederaufnahme der letzten Arie des zweitens Aktes «Di sì felice innesto» führte».

Pierfanco ist der lebende Beweis: ob es in den Theaterkulissen oder inmitten von Bottichen und Fässern ist, es sind Weisheit und Leidenschaft in Kombination, die den Unterschied ausmachen und dies zugunsten des Endprodukts.

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