Michel Péclard - Geniessertreffen

Artikel
Sonntag 21 Juli 2019
Shirley Amberg

Ständig knallen Geistesblitze hinter Michel Péclards funkelnd blauen Augen. Um diese etwas zu sortieren, macht er frühmorgens Stand-up-Paddling. Einmal in der Woche sogar 5 Stunden lang, wenn er vom Fischer’s Fritz in Zürich Wollishofen, einem seiner Betriebe, nach Hurden bei Rapperswil paddelt. 

Das Fischer’s Fritz ist auch das Lokal, welches er sich für unser Treffen ausgesucht hat. Bei einem perfekt gekühlten Glas Heida beginnt er zu erzählen.  

Ein echter Unternehmer

Michel Péclard wurde 1968 im zürcherischen Kilchberg geboren. Ursprünglich wollte er Banker sein, folgte dann aber dem Rat seiner Mutter und wurde Buchhalter. Das war ihm aber schon bald zu trist und als er 1994 am Zürifest mit
Freunden einen Spiesslistand betrieb, kam er auf den Geschmack und schrieb sich an der Hotelfachschule Luzern ein. 1998 eröffnete er seine erste Grillbeiz, die Pumpstation an der Zürcher Seepromenade. Heute führt Michel Péclard 14 Betriebe.

Bei diesem Erfolg, gepaart mit seiner charmanten, eloquenten Art, ist es wenig erstaunlich, dass unser Gespräch immer wieder von Gästen unterbrochen wird, welche Michel „nur kurz Hallo“ sagen wollen. In dieser Zeit studiere ich das Weinetikett des köstlichen Heidas der aus den Visperterminen der St. Jodern Kellerei im Wallis stammt und extra für Michel Péclard, der Heida als seinen Lieblingswein bezeichnet,  entworfen wurde. 

Eine Unternehmenskultur

In seinen Restaurants arbeiten über ein Dutzend verschiedene Nationen problemlos Hand in Hand. Ganz so, als wären sie zusammen im Péclard-Universum aufgewachsen. 

Gefördert wird diese Art von „Familien-Betrieb“, indem einmal im Jahr alle Kader-Mitarbeiter aus ihrem Alltag bugsiert werden und es für 10 Tage an einen speziellen, lustvollen Ort geht. So lernt sich das Team auf eine menschliche Weise näher kennen. “Das motiviert alle mehr, als das übliche Verbraten von langweiligen Power-Point-Charts”, so Michel Péclard über die Exkursionen.

Von fixen Vorstellungen, wie Gastronomie aussehen soll, hat er  sich früh verabschiedet und sich stattdessen dazu entschieden, Geld zu verdienen. „Ich kann nicht kochen, von Wein habe ich auch nicht viel Ahnung. Aber ich bin ein guter
Beobachter. So habe ich ein Gespür dafür entwickelt, was die Leute wollen.“

Spezialabfüllung

Ich habe meine Zweifel, was seine Aussage über seine Weinkenntnisse betrifft. Pure Koketterie ! In der Zwischenzeit hat er einen Federweiss aus dem Turmgut Erlenbach geöffnet. Nach Heida, sein zweiter Lieblingswein. Auch hier eine eigens für ihn designte Etikette. Zudem gibt es auch noch einen Péclard Champagner, Räuschling und Chianti. Beim Champagner hat er dem Winzer von Soutiran aufgetragen, den prickelnden Rebensaft etwas „ süffiger“ zu keltern, beim Chianti wollte er 40% Merlot zum Sangiovese, damit er „weicher“ wird. Ja. „Keine Ahnung von Wein“. Ist klar. 

Während er den Péclard Räuschling (ebenfalls vom Turmgut Erlenbach) öffnet, erzählt er lachend, wie viele Berufskollegen ihr Nase über sein Angebot rümpfen: „Die lachen mich aus, weil ich mit Fischknusperli, Kartoffelsalat und Fleischspiessen daherkomme. Das mag banal sein, aber es funktioniert. Ich sehe  keinen Grund, weshalb ich es nicht machen soll. Ich kenne keine falsche Scham. Viele Köche sind derart
eingenommen von dem, was sie selbst als richtig erachten. Sie glauben, den Gast erziehen zu müssen. Aber vielleicht ist der  Mensch einfacher gestrickt, als wir denken.“

Seine Restaurants überzeugen nicht nur ihre Gäste, sondern auch Gastronomen. Michel freut sich über den Erfolg von Berufskollegen; und so hilft er ihnen, spannende neue Konzepte zu erarbeiten. Und wenn gewünscht, wird auch gleich die komplette Umsetzung realisiert – von der Innenarchitektur bis zum Kaffeelöffeli. 

Jungen Gastronomen rät Michel: „Macht nur, was ihr selber auch lebt und seid. Und ganz grundsätzlich: more pepper, less paper!“ 

Michel ist ein Mann der Taten. Seine unglaubliche Fantasie und Vorstellungskraft sein Motor. Er hat sich ein Imperium aufgebaut. „Weil ich Mut hatte – auch den Mut, auf
die Schnauze zu fallen.“

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angegliederte Betriebe

  • Portofino

    Restaurant
    Seestrasse 100
    8800 Thalwil
    Carte d'exception 
    Nein
  • Restaurant Kiosk

    Restaurant
    Seefeldquai 51
    8008 Zürich
    Carte d'exception 
    Nein
  • Coco Grill & Bar

    Restaurant
    Bleicherweg 1A / Am Paradeplatz
    8001 Zürich
    Carte d'exception 
    Nein