Léa Romanens – Geniessertreffen

Artikel
Mittwoch 02 Oktober 2019
Pamela Chiuppi

Es ist Zeit für einen Kaffee im Restaurant de la Fonderie, als die feurige Léa Romanens erscheint, Hauptmann von Fri-Son, dem Konzertsaal, der nur einige Schritte von dort entfernt ist. 

Legende Selfie: von r. nach l. Pamela Chiuppi, Léonard, Léa Romanens

Léa kommt zu unserem Tisch, an dem Léonard (The Voice) schon Platz genommen hat. Nachdem man sich vorgestellt hat, animiert die fröhliche Dynamik dieses Trios die Diskussion von Anfang bis Ende.

Léa Romanens schäumt vor Leidenschaft über! Ihr positiver und engagierter Geist steht im Einklang mit den Herausforderungen der Welt der nächtlichen Vergnügungen. Es sind bald zwei Jahre, dass sie die Rolle der Generalsekretärin von Fri-Son übernommen hat, einem Standort der alternativen Musik in der Westschweiz. Es handelt sich um den grössten zweisprachigen Westschweizer Saal (1300 Plätze) und seit 36 Jahren nimmt er jährlich 50'000 Zuhörer auf, ein Publikum, das sich aus gleichen Teilen aus Westschweizern und Deutschschweizern zusammensetzt, die Fans von unterschiedlichen Musikstilen sind.

Léa Romanens bewegt sich auf dem unsicheren Grund der Musik in der Schweiz, einem Beruf der auf Leidenschaft und Beziehungen basiert und der auf natürliche Weise die geistige Nähe zum Terroir einschliesst.

Der Mensch im Zentrum des Ganzen

Für Léa ist die Verwaltung eines gemeinnützigen kulturellen Verbandes etwas Aussergewöhnliches. Das pulsierende und marginale Leben dieser nächtlichen Arbeiter, das gleichzeitig erfüllend und verschleissend ist, nagt an der persönlichen Sphäre, sodass die Strukturen sich ständig verändern. Und dies ist eher etwas Positives: «Die Tendenzen entwickeln sich so schnell heutzutage», unterstreicht Léa mit Bezug auf die Verkürzung der Generationen und der Schwierigkeit den schwankenden Geschmack des jungen Publikums vorauszuahnen. «Als Person in den Dreissigern sehe ich, dass das Publikum zwischen 18 und 25 Jahren an Hip Hop und Rap orientiert ist und unsere Aufgabe ist es mit den internationalen Agenturen die Gruppen zu finden, die die beiden Säle füllen werden. Rockmusik gerät dabei ins Hintertreffen.» Léa investiert ihr Budget von ungefähr 2 Millionen CHF mit Fingerspitzengefühl. Sie findet Unterstützung bei ihren 11 festen Angestellten und zirka 200 Mitarbeitern, «alle sehr engagiert in das Leben von Fri-Son». Die auf 12 Arbeitsgruppen verteilten Ameisen schuften in der Verwaltung und sorgen für den guten Ablauf der Konzerte und Abende. Unter ihnen möchten wir die «hauseigenen» Sicherheitsbeauftragten hervorheben, die bei Fri-Son einen fürsorglichen Arbeitgeber finden sowie eine Stelle, die es ihnen erlaubt den Wechselfällen des Lebens entgegenzusehen. Eine Situation, die zu einer allgemeine Verbundenheit der Mitarbeiter hinsichtlich Fri-Sons beiträgt. «Als Generalsekretärin verwalte ich täglich Angelegenheiten des Personalwesens, die 50% der Problematiken ausmachen», bemerkt Léa. Es ist ein grosses Glück, dass sie einen gut entwickelten Sinn für Beziehungen hat: «Für mich steht der Mensch im Zentrum des Ganzen.»

Die Künstler mit den kleinen Zwiebeln

Das Milieu des Nachtlebens wie das der Gastronomie ist ein begrenzter Kreis. In dieser Nische kennen sich alle, was ahnen lässt, wie wichtig das Beziehungsnetz ist, welches Léa mit Naturell beherrscht. Historisch gesehen wurden Brücken zwischen Fri-Son und dem Milieu der Gastronomie geschlagen. Zum Beispiel existiert eine Partnerschaft mit den Vins du Valais , dem Branchenverband Schweizer Reben und Weine, dessen Präsident für seine Leidenschaft für Musik bekannt ist. Eine tolle Gelegenheit für die Walliser Keller ihre Handwerkskunst vorzustellen. Die landwirtschaftlichen Freiburger Produkte werden ebenfalls in den Vordergrund gestellt.

«Bei Fri-Son möchten wir uns um die Künstler kümmern. Wir bieten ihnen zum Beispiel das Waschen ihrer Kleidung an, was bei einer Tournee kein Luxus ist. Was die Mahlzeiten betrifft, lassen wir sie die Schweizer Weine und lokale sowie regionale Spezialitäten entdecken», freut sie sich. Léa, die aus Yverdon stammt, offenbart nebenbei, dass sie eine Vorliebe für die Weine aus dem nördlichen Waadtland hat, besonders für die Weine aus kontrolliertem Anbau von Benjamin Morel vom Weingut Château de Valeyres in Orbe. Was zeigt, dass die geistige Nähe zum Terroir in alle Sphären eindringt, sogar in die unwahrscheinlichsten! Auf Seiten des Publikums findet die Bar grossen Anklang und erwirtschaftet einen beträchtlichen Teil der Einnahmen..., aber das junge Publikum setzt mehr auf Mineralwasser, Bier und Longdrinks anstatt auf Wein. «Ich glaube, ich habe noch nie jemanden gesehen, der Wein an der Bar bestellt!», ruft Léa aus.

Herausforderungen ? Na und ?

Léa bleibt ihren Werten treu und versteht es einen pragmatischen Geist beizubehalten, geführt von hochgesteckten Idealen, die sie heute dazu verpflichten sich im grünen politischen Bereich des nördlichen Waadtlands zu engagieren.

Die Problematik der Suchterkrankungen ist ein Teil des Nachtlebens. «Wir haben festgestellt, dass die Substanzen schon vor dem Eintreten der Jugendlichen in den Saal genommen werden», gibt Léa an. Es ist schwierig mehr zu tun als zu sensibilisieren und Exzessen vorauszugreifen. Die Herausforderung der Nachbarschaft konkretisiert sich durch den Bau neuer Wohnhäuser mit Studentenunterkünften, direkt gegenüber dem Freiburger Konzertsaal, was weitere Fragen aufwirft. Die Zukunft wird beweisen, ob diese neuen Nachbarn von dem nahen kulturellen Angebot bezaubert sein werden, besonders von dem alternativen Aspekt, der das Grundgewebe von Fri-Son seit seiner Gründung bildet.

Denn es ist unmöglich von einem Konzertsaal zu sprechen, ohne das heikle Thema der Besucherzahlen anzusprechen, eine der hauptsächlichen Sorgen jeden Tag. Einen Saal von 350 oder 1300 Plätzen zu füllen nennt sich Expertentum und Léa kann sich auf ihre solide Erfahrung  sowie die ihres Netzwerks verlassen, das auf internationaler Ebene verknüpft ist. Am Rande werden in dieser Saison sehr spezifische Gruppen, Legenden wie Patent Ochsner für die Deutschschweizer oder Bastian Baker für die Westschweizer, auf dem Programm stehen, ebenso wie die Freiburger Young Gods, welche sich beim Schweizer Publikum grosser Beliebtheit erfreuen. Sie werden alle ganz sicher dazu beitragen, dass sich das Schweizer Publikum nach Freiburg begibt.

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