Laura Schlächli – Geniessertreffen

Artikel
Freitag 14 September 2018
Cécile Richards

Wenn es eine genau wissen will, dann Laura Schälchli. Die Expertin für gutes Essen entdeckt die bestmöglichen Produkte, führt Erzeuger mit Konsumenten zusammen und diskutiert über Nachhaltigkeit. Die Powerfrau mit Wurzeln in Italien streicht aber auch gern Schokoladensauce auf Marmorplatten und denkt über den Sinn konventioneller Weinseminare nach.

Junge, neugierige und unkomplizierte Experten für hochwertige Nahrungsmittel trifft man am besten in einem jungen, neugierigen und alles andere als steif wirkenden Restaurant. Also im Café Boy, bei Koch Jann-M. Hoffmann und Weinfreak Stefan Iseli. Ein Zürcher Restaurant, das auf einem Kraftort liegen muss, so zupackend ist die Küche, so inspirierend die Weinberatung. Wie sich das Café Boy von allen Trends fernhält und einfach es selbst bleibt, ist Teil des Erfolgsrezeptes.

Apropos Trends. Mit denen hat Laura Schälchli wenig am Hut. Und mit Beschränkungen ohnehin nicht – weder beim Essen noch beim Wein. Die Konzentration nur auf eine einzige Rebsorte? Viel zu belanglos. Diversität ist es, was Laura Schälchli im Glas und auf dem Teller sucht – und seit Jahren findet. Da wäre zum Beispiel der Lambrusco mitsamt dem Duft von gekochtem Prosciutto: erste Kindheitserinnerung aus dem Italien der Grosseltern. 

Es sind die beiden Welten, hier die mediterrane Genussszene, dort die Schweiz, in denen sich die Zürcherin bewegt. «Mein Vater ist Kunstfotograf. Ein Zürcher Seebub. Meine Mama Italo-Amerikanerin. Bei uns zu Hause kam ich schon früh in Berührung mit Künstlern.» Südlich der Alpen studierte sie gastronomische Wissenschaften. «Mein Bruder und ich wurden beide an der Universität im norditalienischen Bra ausgebildet. Ihn zog es danach in die Weinberge, er verdiente sein Brot bei Irene Grünenfelder, ist heute bei Tom Litwan im Aargau.» Die familiären Bindungen sind eng, von den geschwisterlichen Erfahrungen profitiert Laura Schälchli, die mit ihrer Firma „Sobre Mesa“ die authentischsten kulinarischen Kostbarkeiten sammelt. Auch beim Thema Schokolade spielen die aus dem Weinbereich gewonnenen Erfahrungen eine Rolle. „La Flor“ heisst ihre auf dunkle Süssigkeiten spezialisierte Firma, die jene Qualitätsmassstäbe, die bei den Spitzenwinzern zu beobachten sind, auf die Produktion der Schokolade überträgt. Im „Provisorium“ in der Zürcher Binz ist das Jungunternehmen eingemietet. Aus den Kakaobohnen entstehen je nach Sorte, Land, Region und den Menschen, die sie ernten und verarbeiten, ganz unterschiedliche Tafeln. Terroirschokoladen, das Gegenteil von Massenware. «Das erinnert mich sehr an die Weine aus der Schweiz. Hier erkenne ich Parallelen. Denn auch Kakaobohnen haben ein Erntejahr.» Abhängig vom Klima und den Bedingungen vor Ort, wird die Qualität genauso wie beim Wein dadurch beeinflusst. 

Doch es geht in Laura Schälchlis Arbeit auch ganz konkret um Wein und darum, das Alte auf neue Weise zu erzählen. «Zusammen mit den Jungs von „Schöner saufen“ biete ich mit meiner Genussfirma „Sobre Mesa“ regelmässig Weinseminare an. Wir setzen unseren Fokus auf einen spielerischen Zugang in die Weinwelt. Es gibt weder ein Richtig noch Falsch. Das Probieren und Entdecken soll neugierig machen auf mehr und gleichzeitig dazu anregen, einen Wein auch mal aus einem schwarzen Glas zu probieren.» Damit man nicht sofort weiss, ob ein Weiss- oder Rotwein ausgeschenkt wurde! Schliesslich kann man in der Welt des guten Trinkens und Essens immer dazulernen – selbst als eine der neugierigsten Genussexpertinnen der Schweiz.

Bildlegende: Cécile Richards und Laura Schälchli (links)

Alle News

angegliederte Betriebe

  • Café Boy

    Restaurant
    13
    Kochstrasse 2
    8004 Zürich
    Carte d'exception 
    Nein