Georg Blunier – Geniessertreffen

Artikel
Montag 15 Oktober 2018
Cécile Richards

Seine Hände sind rau geworden. Georg Blunier, ehemaliger Grafiker aus Biel mit Station an der Kunstgewerbeschule in Zürich, sitzt im neueröffneten «Casa Caminada» bei einem Glas Wein. Der Service kennt ihn, den Jungbauern vom nahen Biohof Dusch, denn seine Fleischprodukte überzeugen auch Sterneköche wie Andreas Caminada. 

Wein schmeckt Georg Blunier, aber eine richtig grosse Trinkerfahrung habe er nicht. Dafür kann er sich hineinversetzen in den Job des Winzers. «Wie ein Wein gemacht wird, verstehe ich dann schon eher» meint Georg. Ist schliesslich ein faszinierendes Handwerk. Und der natürliche Kreislauf, welcher ein Weinjahr mit sich bringt, erst recht. «Hier kann ich als Bauer mitreden», sagt der Chef des Bündner Biohofs Dusch selbstbewusst und mit kleinen Fältchen um die lachenden Augen. 

Freigeist ohne Trinkallüren

Bei den Rebsorten kennt er sich nicht perfekt aus, aber eines ist Georg wichtig: «die Trinktemperatur». Wenn der Wein zu warm oder zu kalt serviert werde, dann reagiere er sehr sensibel. Der Wein verstecke so auch seine Herkunft, und die will der Winzer doch eigentlich zum Ausdruck bringen. Ansonsten entdeckt und probiere Blunier ganz gerne verschiedenen Schweizer Weine. Ein Freigeist also? Nach intensivem Nachhaken ist es dann der Bündner Pinot Noir, an den sich Georg ganz gut erinnern mag. 

Bauern-Youngster trotz Schweissperlen

Georg Bluniers Offenheit spiegelt sich auch wider in der Übernahme des Biohofs Dusch. Der Weg dahin führte über einen Alpsommer, weit weg von Downtown Zürich. Trotz der Schweissperlen, die so eine sommerliche Verantwortung für mehrere Kuhherden und eine Alpwirtschaft mit sich bringt, kehrte Georg mit seiner Frau dem glamourösen Stadtleben den Rücken. Die Sehnsucht nach den Bergen blieb auch nach Ende des Sommers stark. Der Stadtgrafiker machte sich also auf die Suche nach einem zweiten Leben als Bauern-Youngster und wurde in Graubünden fündig. Die damalige Besitzerin des Biohofs Dusch war wohl überzeugte von der, wie es Georg bezeichnet, nicht vorhandenen Betriebsblindheit. Denn von Erfahrung in der Landwirtschaft konnte beim zukünftigen Pächter bis dahin kaum die Rede sein. Auch nicht von Händen, die wissen, was richtiges Anpacken bedeutet.

Kreisläufe auf einem Hof

Inzwischen wissen sie es. Trotz der vielen Arbeit auf dem Hof vertieft der zwischenzeitlich dreifache Familienvater sein Wissen auch in Theorie. «Meine Masterarbeit in nachhaltigen Produktionssystemen ist eingereicht.» Dafür erforschte Georg unter anderem, wie eine Bewässerung der unterschiedlichen Böden und deren Hangneigung nahe seinem Hof optimal umgesetzt werden kann. Ein geschlossener Kreislauf im Umgang mit Ressourcen wird auf dem Biohof Dusch grossgeschrieben. Die Mitgliedschaft bei Demeter eine logische Folge. Auch bei der Auswahl der Tierrassen für den Hof wollen Geschichten erzählt werden. Da wäre etwas das Bündner Grauvieh, eine alte Bergrasse. Übrigens wunderschöne Mutterkühe mit Hörnern. Das Spiegelschaf und das Coburger-Fuchsschaf haben Seltenheitswert und werden von ProSpecieRara gefördert. Dass die Turopolije-Schweine etwas ganz Besonderes sind, lässt sich bereits an ihrer schwarzgefleckten Musterung erkennen. Sie werden nicht gemästet, sondern werden mit Gras, Obst und Gemüse vom Hof gefüttert.

Diversität schafft Ausdruck

Die Fleischqualität überzeugt neben privaten Besuchern des Hofladens auch die Topgastronomie. Geschmack, Qualität und Faserung sind einmalig, bilden eine ideale Ausgangslage für die Weinberatung durch den Sommelier.Natürlich sind es die Bündner Weine, die unter dem Aspekt der Regionalität am besten passen. Doch auch ein Chardonnay von Anne-Claire Schott vom Bielersee erschafft ein Gesamtkunstwerk des nachhaltigen Genusses. Spannend sei vor allem die Vielfalt der Schweizer Böden und deren Ausdruck im Wein wie auch in den Hofprodukten beim Bauern, sagt Blunier.

Plötzlich schmunzelt Georg, als er in der neueröffneten «Casa Caminada» die neugierigen Blicke der Gäste mitbekommt. Denn sie sind nicht bloss dem Schweizer Spitzenkoch Andreas Caminada geschuldet, der seinen Fleischlieferanten kurz persönlich begrüsst, sondern auch ihm selbst. «Das ist doch dieser junge Bauer mit seinen besonderen Fleischrassen» flüstert es am Nachbartisch. 

 

Bio Hof Dusch
Familie Blunier-Hanimann
Dusch 51
7417 Paspels

081 655 10 19
Info@hof-dusch.ch
www.hof-dusch.ch

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