Daniele Finzi Pasca - Geniessertreffen

Artikel
Sonntag 19 November 2017
Knut Schwander

Er wird das Winzerfest 2019 in Vevey in Szene setzen. Daniele Finzi Pasca, 53, ist ein Poet mit lebhaftem Blick, sanfter Stimme, ausdrucksvollen Gesten und einem ebenso nuancierten wie bildlichen Ausdrucksvermögen. Wir haben ihn in dem magischen Rahmen der Villa Castagnola in Lugano getroffen: Er hat mit Humor von seinem Werdegang und seiner Verbindung zum Wein gesprochen. Unerwartetes steht bevor.

« Als ich Messdiener war, glaubte ich, dass unser Blut aus Wein mit etwas Wasser bestand, so wie es der Pfarrer zubereitete. Erst später habe ich verstanden, dass die Wirklichkeit sich anders verhält », erzählt Daniele Finzi Pasca mit einem schalkhaften Blick und einem Glas Moncucchetto in der Hand. Moncucchetto ? Ein Weinberg auf den Anhöhen von Lugano, dessen dazugehörige Gebäude von Mario Botta geschaffen worden sind. Wenn Daniele Finzi Pasca von diesem Weinberg spricht, hat man plötzich Lust dort einen Spaziergang zu machen. Und das besonders, wenn man diese delikate Assemblage von weissen Rebsorten probiert, während man auf der anderen Seite der Stadt in einem kleinen Salon mit Stuckdecke der eleganten Villa Castagnola gegenüber dem Weinberg sitzt.

Früher war das Anwesen der Wohnsitz einer russischen aristokratischen Familie und ist vor mehr als einem Jahrhundert ein Hotel mit Charme geworden. Inmitten der Stadt gelegen bleibt die Villa heute von einem subtropischen Park umgeben, der sich bis zum See erstreckt und über einen Privatstrand zugänglich ist. Man blickt auf die Hügel, die Lugano umgeben und wo auch der Weinberg eine geeignete Lage gefunden hat. Ein magischer Ort.

Magisch und einzigartig

« Ich habe diesen Ort gewählt, denn ich fühle mich hier wie zu Hause », erklärt Daniele Finzi Pasca. Man kann ihn verstehen : Hier ist die Sammlung von Kunstwerken authentisch, der Empfang von seltener Aufmerksamkeit und die Küche köstlich. Das Paar der Eigentümer, authentische Mäzenen, lässt sich nie von den Sirenen der Standardisierung bezirzen. So bleibt dieses irdische Paradies, wo Palmen und jahrhundertalte Bäume gedeihen, einzig in seiner Art.

Als Theater-, Zirkus-, Opernregisseur und Verantwortlicher für die Inszenierung der Olympischen Spiele in Turin sowie Sotchi versteht Daniele Finzi Pasca es seine eigenen Geschichten in Szene zu setzten. Und wenn er erzählt, dass sein Grossvater Pasca, der italienischer Herkunft ist, es liebte über Wein zu sprechen, macht er das so gut, dass man meint einen Schwarzweissfilm zu sehen.

Als Werbetreibender im Piemont und Veneto tätig hatte dieser Grossvater in den fünfziger Jahren einen Weinberg erstanden : « Er produzierte einen einfachen Wein. Wir nannten ihn unter uns Bombarolo, weil alle, die ihn tranken, sich darüber stritten, ...ausser den Familienmitgliedern! Es ist augenscheinlich, dass wir in dieser Familie Poeten sind, von einer Generation zur nächsten. Poeten, aber auch Fotografen: « Innerhalb der Familie haben alle eine Verbindung zur Fotografie ». Daniele ist der dritte Fotograf Finzi: « Mein Urgrossvater hatte sich zuerst im Tessin niedergelassen, danch mein Grossvater und mein Vater; sie alle Postkarten haben geschaffen, die um die Welt gereist sind ».

Das Talent eines Erzählers

Das Auge eines Künstlers und das Talent eines Erzählers haben dazu beigetragen, dass  Daniele Finzi Pasca wie von selbst sehr jung auf das Theatermilieu gestossen ist. Dann hat er sich für die Oper interessiert: « Das Tessin steht der italienischen Kultur nahe und Melodrama sowie Oper gehören dazu ».  Und die Oper ist der Vorläufer des Kinos. Wir tauchen in den Film seiner Jugend ein und hören ihn von seiner Grossmutter erzählen: « Sie trank kein Wasser, nur Wein. Damals gab es welchen, der nicht teuer war. Als sie dann in die Jahre kam, wagte niemand mehr ihr zu sagen, was er kostet, denn si hätte ihn sofort als unverdaulich verurteilt ! ».

Das Gespräch geht weiter, in Begleitung eines Terra Inferna 2012, aus Zündel und aus biodynamischer Produktion. Und Daniele Finzi Pasca zieht mit Wohlgefälligkeit in der Stimme eine unerwartete Parallele: « Genauso wie ein Dirigent nimmt jeder Winzer wahr, was ihn umgibt, sowohl mit seiner Nase als auch mit seinen Augen. Über die technischen Kompetenzen hinaus steht die Wahrnehmung im Zentrum dessen, was sie tun. Warum heute die Lese beginnen und nicht in einer Woche? Einige haben eine Intuition oder ein Talent, die sie dazu veranlassen die richtige Wahl zu treffen ». 

Das neu erfundene Fest

Die Winzerbruderschaft scheint auf jeden Fall den richtigen Riecher gehabt zu haben, indem sie sich an Daniele Finzi Pasca gewandt hat, um das nächst Winzerfest 2019 in Szene zu setzten : « Für mich bedeutet das die Rückkehr in die Schweiz, denn ich reise viel », freut sich der Regisseur, dessen 250 Mitarbeiter seien es Schauspieler, Tänzer oder Jongleure die ganze Welt bereisen. In Vevey hat er sich nichts weniger vorgenommen als das Fest neu zu erfinden und es von den unnötigen Schwerfälligkeiten zu befreien, die das zwanzigste Jahrhundert ihm aufgelastet hat: « Dadurch, dass wir zu den Wurzeln dieses Festes zurückkehren, das die Akkordarbeit feiert ». Das Fest wird weniger intellektuell und dafür berührender sein. Man kommt darauf zurück, nämlich auf die Suche nach Emotionen, die er ins Zentrum seiner sämtlichen Unternehmen stellt. Und nach Vevey zu kommen ist in diesem Falle nicht frei von Emotionen, denn es ist dort, wo sein Vater seine Studien in Fotografie unternommen hat. Freuen wir uns also auf 2019, um den Wein und die Emotionen zu feiern, die er überträgt.

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