Anne Bisang - Geniessertreffen

Artikel
Sonntag 17 Dezember 2017
Knut Schwander

Geniessertreffen mit Anne Bisang, der künstlerischen Leiterin des Théâtre populaire romand in La Chaux-de-Fonds

 

Das Theater, eine Fabrik von Beziehungen

Inmitten der magischen Ausstattung des Hotels DuPeyrou in  Neuenburg spricht Anne Bisang über die Welt des Weins und den Erfolg ihrer « Belles complications », eines Projekst für ein neuartiges  Theaterprogramm, das Anklang findet. Ein Treffen mit einer Direktorin und Regisseurin der grenzenlosen Visionen.

Als Sammler von grossen Weinen hat der Vater von Anne Bisang ihr im Alter von 13 Jahren Wein zum Probieren gegeben. Nachdem er sie nach ihrer Meinung gefragt hatte, stellte er einfach fest : «Du hast einen Gaumen». Eine solche Feststellung « impliziert quasi eine Verantwortung », bemerkt amüsiert die Direktorin des Théâtre populaire romand (TPR) in La Chaux-de-Fonds. Als Erwachsene  - mit dichtem Haar, einem entschlossenen Blick und präziser Ausdrucksweise - hat sie sich weiterhin für die Welt des Weins interessiert : «  Ohne unbedingt eine Spezialistin zu sein, hat es  mir immer Spass gemacht auf Entdeckungsreise zu gehen ».

So dieser Chardonnay Alata aus dem Tessin, Jahrgang 2015 : Ohne Emphase mit sicherer Geste prüft Anne Bisang seine Nase, bevor sie ihn kostet  und geniesst. Dieser Wein wird im Glas serviert und gehört zu einer Karte, die mit Virtuosität die verschiedenen Kantone der Schweiz präsentiert. Wir sitzen an einem Tisch in Neuenburg im Hotel DuPeyrou, einem emblematischen Restaurant. An diesem Tag verleihen die winterlichen Sonnenstrahlen dem Saal eine Stimmung ähnlich wie die Projektoren einer Theaterbühne. Eine Art von meterologischem Augenzwinkern im Hinblick auf die Karriere von Anne Bisang.

 

Drei erfolgreiche Bühnen

Nach Leitung des Theaters La Comédie in Genf, hat Anne Bisang vor vier Jahren ihre Stellung in La Chaux-de-Fonds angetreten. « Alles läuft gut », freut sie sich, « in der dritten Saison erntet man das, was man vorher gesät hat ». Und tatsächlich, die Leute kommen mit augenscheinlichem Vergnügen wieder und wieder in die drei Theater, die die Direktion des TPR leitet.

Denn neben seinem historischen italienisch angehauchtem Theater, Heure bleue und Beau-Site, kann das experimentale Theater in einem völlig überholten und gut durchdachten Raum zweihundert Zuschauer unterbringen. Das TPR kümmert sich ebenfalls um den Musiksaal, der 1955 eingeweiht wurde und die Konzerte der Musikgesellschaft von La Chaux-de-Fonds beherbergt.

Truppen aus Russland, dem Iran, Brasilien, Israel und bald auch Palästinien folgen einander auf der Bühne und werden weiterhin kommen. Die grosse Wagnis dabei ist, dass jede Truppe in ihrer Sprache mit Untertiteln spielt! Die gelungene Leistung, dass « sich das Publikum nicht nur begeistert, sondern auch stolz zeigt », freut sich die Direktorin des TPR. Sie kann ebenfalls stolz auf ihre « Belles Complications » sein. Sie sind zugleich ein Hinweis auf die Welt der Uhrmacherei mit ihren « Grandes Complications » und erweisen dem Vater von Anne Bisang Ehre, dessen Tätigkeit in der Uhrmacherei der Familie erlaubt hat nach Japan und in den Libanon zu reisen.

 

Belles Complications

Heute reist Anne Bisang  vor allem, um neue Stücke für die nächsten Spielzeiten zu finden und um « den Wert der heimischen Produktionen abzuschätzen ». Denn die « Belles Complications » konzentrieren sich auf « hauseigene » Stücke, indem sie ein neues Modell schaffen : Die zeitlich beschränkte und gleichzeitig dauerhafte Formel besteht darin, dass Theatertruppen drei Stücke zusammen spielen anstatt eines einzigen. Ein Projekt, das dem TPR heute einen bedeutenden Platz im Bereich der Kreativität und Ausbildung verschafft.

Was den Tanz anbetrifft, profiliert sich das TPR seit mehreren Jahren, besonders dank seiner Saison mit Titel « Hiver des Danses » (Tanzwinter) und in Zusammenarbeit mit dem Tanzverband Neuenburg : ein weiteres Beispiel einer viel versprechenden Zusammenarbeit. Das TPR kann auf diese Weise renommierte Truppen empfangen, wie Tabea Martin oder das Projekt Tanzfaktor, das fünf Choreographen bei einer einzigen Vorführung vereint. « Das ist eine Gelegenheit junge Talente aufzustöbern und ein Publikum anzusprechen, das sich in der Theaterwelt weniger wohl fühlt ».

 

Offenheit und Empfang

Das Publikum wird beim Theaterfest dazu eingeladen einzutreten und die verschiedenen Säle zu besichtigen : « Mit drei weiteren Sälen - Passage, ABC, Pommier - erweitern wir unsere Räumlichkeiten. Die Besucher entdecken sie im Laufe der Animationen, die dort stattfinden. Jeden Abend wird dort während des Festes von einem Theater ein Stück aufgeführt, nach dem ein Hut für die Bezahlung herumgeht. « Während der Spielzeit gibt es für die Eltern von  kleinen Kindern als Gegenleistung für einen gekauften Platz einen Baby-Sitting-Service.   Theater stellt in den Augen von Anne Bisang vor allem« eine Fabrik von Beziehungen » dar.

Eine Fabrik von Beziehungen genauso wie der Wein. Während sie ein Glas Pinot Noir der Stadt Neuenburg in der Hand hält, gesteht die Leiterin des TPR, dass sie immer noch mit grosser Befriedigung Produkte der Region entdeckt : « Es gibt wahre Offenbarungen, herrliche Weine, die mich an diejenigen Weine erinnern, die mir mein Vater in meiner Jugend enthüllt hat ».

 

www.tpr.ch

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